Wahrnehmungsfalle 2 – Wahrnehmung richtig aufteilen

Aktives zuhören Techniken - Blogartikel

Aktives zuhören – Techniken

Stellen Sie sich vor, dass Sie ständig 100 Prozent an Wahrnehmungsvermögen zu verteilen haben. Es ist wie mit Ihrer Energie und Ihren Zielen. Wenn Sie an zu vielen Fronten gleichzeitig kämpfen, kommt unter dem Strich meist nichts dabei heraus. Genauso ist es mit Ihrer Aufmerksamkeit. Sie haben 100 Prozent zur Verfügung. Entscheidend ist, welche Prioritäten Sie sich wann setzen. Wichtig ist zunächst, Wahrnehmung sehr viel bewusster zu erleben. Öffnen Sie Ihre Augen, Ihre Ohren und Ihr Herz. Genießen Sie sich selbst, Ihren Puls, Ihre Stimme und Ihre Stimmungen. Gehen Sie mit vollem Bewusstsein durchs Leben, beachten Sie jeden Moment, beobachten Sie andere Menschen, achten Sie auf scheinbare Kleinigkeiten, schauen Sie Menschen in die Augen, hören Sie genau hin, verschaffen Sie sich möglichst viele Eindrücke. Sie werden feststellen, wie schnell sich Ihr Wahrnehmungsvermögen dann verfeinert und erweitert. Dann vergeben Sie Ihrer Aufmerksamkeit Prioritäten. Immer daran denken: Sie haben davon genau 100 Prozent!

Aktiv zuhören – und zwar sich selbst

Schenken Sie sich selbst die vollen 100 Prozent Aufmerksamkeit, bevor das Gespräch, die Verhandlung etc. beginnt. Das ist Ihre Zeit, alle fünf Sinne gehören ausschließlich Ihnen. Kümmern Sie sich um sich selbst, Ihre Gedanken und Ziele. Dann erst kommen die anderen Menschen ins Spiel. Gerade zu Beginn eines Gesprächs ist es wichtig, Ihre Wahrnehmung ausschließlich auf die Situation, ihren Gesprächspartner, seine Worte und Stimmungen zu lenken. Im weiteren Verlauf empfehle ich Ihnen, Ihre volle Aufmerksamkeit ständig hin und her wechseln zu lassen: zwischen Ihnen und Ihrem Gesprächspartner, wobei die 100 Prozent sehr viel häufiger auf Ihr Gegenüber als auf Sie selbst gerichtet sein sollten. Dies ist leicht möglich, wenn Sie gut vorbereitet sind, genau wissen, was Sie wollen und wichtige Fragen oder Aussagen idealerweise sogar schriftlich fixiert vor sich liegen haben. Als Ergebnis der Zeit, in der die volle Aufmerksamkeit ganz allein Ihnen galt. Umgekehrt ist einer der Hauptgründe, warum manche Menschen im Gespräch sehr stark mit sich selbst beschäftigt sind und sich kaum auf das Gegenüber konzentrieren können, dass sie sehr schlecht vorbereitet sind, sowohl in Bezug auf den Inhalt als auch auf die Zielsetzung des Gesprächs. Beides wäre im Vorfeld zu klären gewesen. Diese Menschen konzentrieren dann ihre ganze Energie darauf, bloß keine Frage oder Aussage zu vergessen.

Versichern Sie sich der Wahrnehmung des gegenübers

Wenn ich von meinem Gegenüber im Gespräch den Eindruck mangelhafter Außenwahrnehmung habe, dann hinterfrage ich dies manchmal spontan im Gespräch: „Einen Moment. Sagen Sie mir bitte, warum Sie gerade so sehr mit sich beschäftigt sind. Sie nehmen mich ja überhaupt nicht mehr wahr! Ich könnte ebenso gut aufstehen und gehen. Sie würden es wohl kaum merken, oder?“ Tatsächlich erhalte ich dann meist Antworten wie diese: „Ja, wissen Sie, ich versuche mir die ganze Zeit eine wichtige Frage zu merken, die ich Ihnen unbedingt noch stellen muss.“ Welch eine Zeit- und Energievergeudung! Dabei wäre es doch so einfach, sich diese Frage kurz aufzuschreiben, statt sich die ganze Zeit damit zu belasten, und sich dann wieder ganz dem Gesprächspartner zu widmen und auf ihn einzugehen. Überrascht Sie meine Empfehlung, während des Gesprächs ständig Ihre volle Aufmerksamkeit hin und her wechseln zu lassen, anstatt sie aufzuteilen? Das wundert mich nicht, denn leider ist viel zu oft zu lesen, dass man sich auf beides, also sich selbst und sein Gegenüber, gleichzeitig konzentrieren, seine Aufmerksamkeit quasi halbieren soll.

Aktion und Reaktion aufteilen

Theoretisch natürlich eine tolle Sache, in der Praxis allerdings recht schwer machbar, am ehesten noch von sehr erfahrenen Kommunikationsprofis. Ich halte es für kritisch, weil Sie die ganze Zeit Gefahr laufen, sich unbewusst und ungewollt irgendwann nur noch mit einer Seite zu beschäftigen: entweder nur noch zuzuhören, Ihre Aufmerksamkeit also ausschließlich dem Gesprächspartner zu schenken, oder nur noch zu reden. In beiden Fällen ist nichts gewonnen! Was wir brauchen, ist eine gesunde Mischung aus Aktion und Reaktion: abwechselnd den anderen zu 100 Prozent wahrnehmen, beobachten und sein Feedback holen und, ebenfalls mit 100 Prozent Konzentration, in knackigen und prägnanten Worten selbst aktiv sein. Denn ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Unser Gehirn ist kein Multitasking fähiger Prozessor, der mehrere Vorgänge parallel bearbeiten kann. Wir können immer nur eines mit ganzer Kraft tun. Versuchen Sie doch einfach mal, einen wichtigen Zusammenhang zu erklären und gleichzeitig Ihren Gesprächspartner ganz genau zu beobachten. Eines muss leiden, es sei denn, Sie sind Profi und intensiv trainiert. Sie können das gut an anderen Menschen beobachten, zum Beispiel bei Vorträgen.

Fokus auf das gerade wichtige

Je anspruchsvoller oder länger die Aussage, desto häufiger schließen sie immer wieder einmal kurz die Augen beziehungsweise lassen sie nach oben oder unten gleiten. Alles aus einem einzigen Grund: um sich zu sammeln, die Gedanken zu ordnen und die visuelle Wahrnehmung über die Augen zu reduzieren. Ein Mensch, der ihnen etwas erklären und Sie dabei gleichzeitig ansehen kann, hat sehr klare Gedanken im Kopf, die es ihm leicht machen, seine Aussagen zu formulieren.

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