Ärger und Wut

Ärger und Wut sind zwei sehr ähnliche emotionale Zustande, jedoch haben sie unterschiedliche Erregungsniveaus, Ausdrucksformen und Intensitäten. Während es sich beim Arger um eine sehr spontane, innere und emotional negative Reaktion auf ein Ärgernis handelt, zum Beispiel ein unangenehmes Erlebnis, eine Kränkung oder Bloßstellung durch andere Menschen, lasst sich echte Wut durch die damit meistens einhergehende plötzliche Aggressivität nach außen kaum verbergen.

Arger oder die Verärgerung durch andere können Sie in der Regel noch ganz gut managen, ihre innere Negativemotion in Grenzen halten und sich nach kurzer Zeit wieder davon befreien. Dennoch sollte Ihnen klar sein, dass der Gesprächspartner unsere Verärgerung wahrnimmt, zumindest unbewusst, denn die Sprechweise, der Tonfall und die Mimik sprechen eine deutliche Sprache.

Völlig anders verhalt es sich bei einem Wutanfall. Dort geraten wir außer Rand und Band, erleiden kurzfristig einen emotionalen Blackout und verlieren die Kontrolle über unser Verhalten. Dies ist für andere deutlich sichtbar, hörbar und oft leider auch körperlich spürbar, spätestens wenn sie der Adressat der Wut sind. Unabsehbar für den Wüterich sind die Folgen seines negativen Gefühlsausbruchs, zu hart waren die verbalen Kränkungen oder sogar die körperlichen Übergriffe.

Sie sind aber dem Ganzen nicht willenlos ausgeliefert, wenn Sie Ihre persönlichen Arger- und Wutmuster aufdecken und lernen, rechtzeitig darauf zu reagieren. Oder Sie halten es mit der Weisheit, die mir eine große Persönlichkeit mit auf den Weg gegeben hat: „Ich entscheide lieber selbst, ob und wann ich mich ärgere und einen Herzinfarkt erleide, als es mir von anderen vorgeben zu lassen.“ Glauben Sie mir, das gelingt einem nicht immer, jedoch ziemlich oft.

Hass

Hass ist die schlimmste und destruktivste Negativemotion und die stärkste Form der Ablehnung, Abwendung und Verachtung. Wenn wir einen Menschen, eine Tätigkeit oder einen Ort so richtig hassen, dann wird oft unglaublich viel Energie frei, sobald wir damit konfrontiert werden, oft sogar bereits, wenn wir nur daran denken – negative Emotionen, die weder für uns selbst noch für andere gut sind.

Wie entsteht der Hass? Oft dann, wenn wir tiefe und/ oder andauernde Verletzungen nicht abwehren können, wenn wir uns hilflos, ohnmächtig und schutzlos fühlen. Daher kann Hass uns sogar so weit treiben, dass wir den Gegenstand oder ursprünglichen Grund des Hasses am liebsten ausloschen und vernichten wurden. Doch meistens sind wir dazu nicht in der Lage.

Der größte Gegenspieler des Hasses ist die Liebe. Jeder von uns kennt den typischsten Grund für den Hass – nämlich zutiefst verletzt, enttäuscht oder verlassen zu werden. Und zwar von dem Menschen, dem wir zuvor blind vertraut und den wir unendlich geliebt haben. Hand aufs Herz, wer hat noch nicht erlebt, dass er von einem engen Freund zutiefst ent- oder sogar getauscht wurde? Oder von einem geliebten Partner verletzt, betrogen, vielleicht sogar von einem Augenblick auf den anderen verlassen wurde? Gefühle der Ohnmacht, Wut und Verachtung sind es, die sich dann schnell, intensiv und anhaltend in uns ausbreiten, uns in ein wirres Gefühlschaos von Traurigkeit, Hilflosigkeit und Hass versetzen und uns den Boden unter den Fusen wegziehen. Ich habe es selbst erlebt. Sie auch? Haben Sie in diesem furchtbaren Moment vielleicht auch gedacht, das Leben wäre jetzt vorbei? Zum Glück war es das nicht, wie wir heute wissen. Es tat richtig weh, doch wir sind daran gereift.

Zögerlichkeit

Zögerlichkeit ist leider weit verbreitet und führt zu völlig unnötigen Negativgefühlen. Oft entspringt sie einer persönlichen Unsicherheit, ungenügender Selbstmotivation und dem Mangel an Mut, die notwendigen Dinge zeitnah anzupacken. Manchmal ist auch einfach nur die Angst vor Neuem die Ursache, die trügerische Sicherheit, Trägheit oder das Wohlbefinden, das uns die eigene, vertraute und lieb gewonnene Komfortzone gerne vorgaukelt. Doch feststeht: Zögerlichkeit ist einfach nicht gut.

Damit meine ich nicht das bewusste, wohlbedachte Überlegen und Abwägen vor großen Entscheidungen, das minutiöse Vorbereiten zur optimalen, zeitsparenden Erledigung von Aufgaben oder das genaue Abschätzen des idealen Moments für das konkrete Angehen einer neuen, persönlichen Zielsetzung. Zögerlichkeit, von der hier die Rede ist, hat keinen dieser guten Grunde. Sie ist nicht auf unser Wohl und unseren Erfolg ausgerichtet, sondern gerade

dagegen. Weil Sie uns vieler Chancen und Möglichkeiten beraubt, wir nicht zur Stelle sind, wenn es darauf ankommt, wichtige Entscheidungen umzusetzen, wenn dies gut für uns wäre, sondern nur, wenn es nicht mehr anders geht. Und dann ist es eben oft zu spät.

Kennen Sie das aus eigener Erfahrung? Verfallen auch Sie bei ganz bestimmten Aufgaben gerne Ihrer ganz persönlichen „Aufschieberitis“? Das können Sie jederzeit ändern, indem Sie sich ab sofort konkrete Ziele setzen und klare Prioritäten dafür aufstellen, wie und in welcher Reihenfolge Sie diese angehen. Das sollten Sie unbedingt. Denn wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Und diese Weisheit sollte doch nicht auf Sie zutreffen, oder?